In der deutschen Hauptstadt Berlin wurde mit einer Demonstration und einer Gedenkveranstaltung, an der Tausende teilnahmen, der 33 Aydın und Künstler gedacht, die am 2. Juli 1993 im Madımak Hotel in Sivas ermordet wurden. Bei der Veranstaltung, an der alevitische Organisationen, demokratische Massenorganisationen und Vertreter politischer Parteien teilnahmen, wurden die Forderungen nach Gerechtigkeit, Aufarbeitung und gleichberechtigter Staatsbürgerschaft erneut lautstark erhoben.


Berlin: Gedenken an das Madımak-Massaker, Gerechtigkeit gefordert


Die Gedenkveranstaltung, die von der Föderation der Alevitischen Vereinigungen in Deutschland (AABF), der Alevitischen Gemeinde Berlin (BAT-Cemevi), befreundeten Vereinen und demokratischen Massenorganisationen gemeinsam organisiert wurde, begann auf dem Hermannplatz. An der Veranstaltung, an der Tausende teilnahmen, waren auch Vertreter der Linken, der Grünen und der SPD anwesend.


Berlin: Gedenken an das Madımak-Massaker, Gerechtigkeit gefordert


Die Veranstaltung begann mit einem Gülbenk (Gebet) des Leiters der Glaubenskommission der BAT-Cemevi, Haydar Akdağ Dede, einer Schweigeminute und Semah-Aufführungen zu den Liedern von Anıl Sarpkaya.

„In Madımak wurde das Gewissen der Menschheit verbrannt“

Haydar Akdağ Dede erklärte, dass das Madımak-Massaker nicht nur die Verbrennung eines Gebäudes, sondern die Verbrennung des gemeinsamen Gewissens der Menschheit bedeute. Er sagte, dass ein echter gesellschaftlicher Frieden nicht erreicht werden könne, solange der Staat sich nicht mit dem Massaker auseinandersetze.

Akdağ erklärte, dass die bei dem Massaker ums Leben gekommenen die spirituellen Führer der alevitischen Gemeinschaft gewesen seien, und betonte, dass sie den Kampf fortsetzen würden, bis Gerechtigkeit erreicht sei.


Berlin: Gedenken an das Madımak-Massaker, Gerechtigkeit gefordert


„Dieser Kampf ist ein Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit“

Şermin Sertkaya, Vorstandsmitglied der BAT-Cemevi, sprach im Namen der organisierenden Institutionen und erklärte, dass trotz der 33 Jahre, die seit dem Madımak-Massaker vergangen sind, immer noch keine Gerechtigkeit erreicht worden sei.

Sertkaya erinnerte daran, dass der Sivas-Prozess seit Jahren nicht abgeschlossen sei, und gab folgende Botschaft:

  • Bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit darf keine Verjährung eintreten.
  • Die politische Dimension des Massakers muss aufgedeckt werden.
  • Wahrheit, Aufarbeitung und Gerechtigkeit müssen hergestellt werden.

Sertkaya erklärte, dass einige der Angeklagten des Madımak-Massakers heute noch in Deutschland, sogar in Berlin, leben und dass rechtliche Schritte unternommen würden, um diese Personen vor Gericht zu bringen.


Berlin: Gedenken an das Madımak-Massaker, Gerechtigkeit gefordert


Gemeinsame Botschaft von politischen Parteien: „Gerechtigkeit muss her“

Führende Persönlichkeiten der Berliner Politik, die bei der Gedenkveranstaltung sprachen, betonten ebenfalls, dass das Madımak-Massaker nicht vergessen werden dürfe.


Berlin: Gedenken an das Madımak-Massaker, Gerechtigkeit gefordert
Elif Eralp

Die Linke: „Was geschah, war ein Pogrom“

Die Vertreterin der Linken in Berlin, Elif Eralp, erklärte, dass das, was in Sivas geschah, kein „Vorfall“, sondern ein offener Pogrom gewesen sei. Sie sagte, dass die Diskriminierung von Aleviten nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland andauere.

Eralp äußerte, dass der alevitische Glaube im Bildungssystem sichtbarer gemacht und Lehrstühle für Alevitentum an Universitäten eingerichtet werden sollten.


Berlin: Gedenken an das Madımak-Massaker, Gerechtigkeit gefordert
Bettina Jarasch


Grüne: „Es ist eine Schande, dass die Täter in Berlin leben“

Die Kandidatin für das Amt der Berliner Vizebürgermeisterin von den Grünen, Bettina Jarasch, bezeichnete es als „beschämend“, dass einige der Täter des Massakers weiterhin in Berlin leben.

Jarasch erklärte, dass rechtsextreme und radikal-religiöse Gruppierungen die Demokratie bedrohten, und rief zu einem gemeinsamen Kampf gegen Hassverbrechen auf.


Berlin: Gedenken an das Madımak-Massaker, Gerechtigkeit gefordert
Steffen Krach


SPD: „Berlin steht an der Seite der Aleviten“

Der SPD-Vertreter in Berlin, Steffen Krach, sagte, dass Berlin an der Seite der alevitischen Gemeinschaft stehe.

Krach betonte, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht vergessen werden dürften, und erklärte, dass sie eine stärkere Vertretung des alevitischen Glaubens in Bildung, Wissenschaft und öffentlichem Leben unterstützten.


Berlin: Gedenken an das Madımak-Massaker, Gerechtigkeit gefordert


Tausende marschierten zum Oranienplatz

Nach den Reden marschierten Tausende vom Hermannplatz zum Oranienplatz und trugen dabei Fotos der 33 bei dem Massaker ums Leben gekommenen Menschen.

Während des Marsches wurde in türkischer und deutscher Sprache die Botschaft vermittelt, dass das Madımak-Massaker nicht vergessen und der Kampf für Gerechtigkeit fortgesetzt werde, und dass die Solidarität gegen Hassverbrechen gestärkt werde.

Der Marsch, der von den Berliner Demokratischen Alevitischen Vereinen, alevitischen Jugendorganisationen und verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen unterstützt wurde, endete nach abschließenden Reden auf dem Oranienplatz.

Die Tausenden von Teilnehmern gedachten der bei dem Madımak-Massaker ums Leben gekommenen Menschen mit dem Slogan „Wir haben nicht vergessen, wir werden es nicht vergessen lassen“ erneut mit Respekt.


Fotos: Pressebüro BAT-Cemevi / Ulaş Yunus Tosun


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