Die Türkische Gemeinde in Deutschland (ATT) wies in einer Erklärung zum 10. Jahrestag des Anschlags auf das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München darauf hin, dass rechtsextreme und rassistische Gewalt in Deutschland zu einer immer größer werdenden gesellschaftlichen Bedrohung geworden ist. Der ATT-Vorsitzende Gökay Sofuoğlu betonte, dass im Kampf gegen Rassismus ein stärkerer politischer Wille und mehr Ressourcen erforderlich seien.
Gedenken und Warnung zum 10. Jahrestag des OEZ-Massakers
Die Türkische Gemeinde in Deutschland erinnerte in ihrer Erklärung zum 10. Jahrestag des Anschlags vom 22. Juli 2016 auf das Olympia-Einkaufszentrum in München, bei dem neun junge Menschen ihr Leben verloren, daran, dass der Anschlag jahrelang als „Amoklauf“ eingestuft wurde, später jedoch von den offiziellen Behörden als terroristischer Anschlag mit rassistischem Motiv anerkannt wurde.
Der ATT-Vorsitzende Gökay Sofuoğlu erklärte, dass der Anschlag in München nicht losgelöst von den rechtsextremen Terroranschlägen in Kassel, Halle und Hanau betrachtet werden könne und diese Ereignisse Glieder derselben Kette des Hasses seien.
„Wir gedenken mit Respekt der neun jungen Menschen, die im OEZ ihr Leben verloren haben. Diese Verluste dürfen nicht folgenlos bleiben“, sagte Sofuoğlu und betonte, dass der Kampf gegen Rassismus entschlossen fortgesetzt werden müsse.
Durchschnittlich 12 Menschen täglich Ziel rassistischer Angriffe
In der Erklärung der ATT wurden auch die Daten für 2025 des Verbandes der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) zitiert.
Den Daten zufolge:
- In 13 Bundesländern wurden innerhalb eines Jahres 3.167 rechtsextreme, rassistische und antisemitische Angriffe registriert.
- Von diesen Angriffen waren 4.298 Personen betroffen.
- In Deutschland werden durchschnittlich 12 Menschen täglich Opfer rechtsextremer oder rassistischer Angriffe.
- Mehr als die Hälfte der registrierten Vorfälle wird direkt mit rassistischem Motiv verübt.
Sofuoğlu wies darauf hin, dass die offiziellen Statistiken die Realität nicht vollständig widerspiegeln, da viele Opfer die erlebten Angriffe aus Angst oder Misstrauen nicht den Behörden melden.
Rassismus ist nicht nur auf physische Gewalt beschränkt
Die ATT betonte, dass Rassismus in Deutschland nicht nur auf physische Angriffe beschränkt sei, sondern sich auch in Diskriminierung bei der Wohnungssuche, im Berufsleben, in der Bildung und im Alltag zeige.
In der Erklärung wurde darauf hingewiesen, dass die zunehmende Normalisierung von Hassreden und rechtsextremen Ideologien in der Gesellschaft die demokratische Ordnung bedroht und diese Entwicklungen nicht nur Migranten, sondern auch den gesellschaftlichen Frieden und die demokratischen Werte Deutschlands zum Ziel haben.
„Der Kampf gegen Rassismus muss stärker unterstützt werden“
Die ATT kritisierte die Kürzungen in den Budgets für Projekte zur Stärkung demokratischer Werte und Programme zur Bekämpfung von Extremismus und forderte mehr finanzielle und institutionelle Unterstützung für öffentliche Einrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen.
In der Erklärung wurde betont, dass die rechtsextreme Bedrohung nur durch eine starke Demokratie, wirksame Rechtsmechanismen und nachhaltige zivilgesellschaftliche Arbeit eingedämmt werden kann.
Baba Ajans/MÜNCHEN






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