Die Urlaubserwartungen der Europäer ändern sich. Statt straffer Programme gewinnen nun das Verweilen an einem Reiseziel, die Abkehr von der digitalen Welt und die Gestaltung der Reise nach persönlichen Bedürfnissen an Bedeutung. Der dritte Teil des DERTOUR Group European Travel Trend Reports zeigte, dass die Hauptelemente dieser Veränderung "Slow Travel" und Solo-Reisen sind.

Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 8.000 Personen in 13 europäischen Märkten sowie auf Buchungsdaten und Expertenbewertungen der DERTOUR Group in 16 europäischen Quellmärkten.

Christoph Debus, CEO der DERTOUR Group, erklärte: "Reisen bedeutet seit jeher, Neues zu entdecken. Heute jedoch legen Reisende mehr Wert denn je auf Erlebnisse, die ihnen etwas bedeuten und die in Erinnerung bleiben. Ob Slow Travel, Digital-Detox-Auszeiten oder Solo-Reisen: Europäische Reisende entdecken neue Arten des Reisens, die ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen entsprechen."

53 Prozent der Europäer interessieren sich für Slow Travel

Laut der Studie interessieren sich 53,2 Prozent der Europäer für den Slow Travel-Ansatz, der bewusstes, langsameres Reisen bedeutet. Rund 64 Prozent der Befragten gaben an, ihr Tempo im Urlaub besonders drosseln zu wollen, wobei dieser Anteil in Deutschland bei fast 68 Prozent liegt.

Mehr als 58 Prozent der Europäer bevorzugen weniger, aber bleibende Erlebnisse statt vieler kleiner Aktivitäten. Über 55 Prozent möchten die Menschen, die Natur und die Kultur des Reiseziels, das sie besuchen, näher kennenlernen.

Rund 59 Prozent der Slow Travel-Interessierten bevorzugen diese Reiseform, um das Reiseziel intensiver erleben zu können. In Österreich übersteigt der Anteil derer, die mehr Zeit am Urlaubsort verbringen möchten, 67 Prozent, womit das Land zusammen mit Norwegen einen der höchsten Werte in Europa erreicht.

Debus erklärte: "Viele Menschen möchten weiterhin neue Reiseziele entdecken. Gleichzeitig wächst der Wunsch, sich Zeit zu nehmen, einen Ort wirklich kennenzulernen, anstatt möglichst viel auf einmal sehen zu wollen."

Langsamer reisen bedeutet weniger Stress

52 Prozent der Europäer verbinden den Slow Travel-Ansatz mit persönlichem Wohlbefinden und weniger Stress. Rund 23 Prozent glauben, dass langsameres Reisen intensivere Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung und Kulturen ermöglicht.

Auch die Kosten gehören zu den Präferenzgründen. Rund 23 Prozent der Europäer glauben, dass durch Slow Travel das Urlaubsbudget geschont werden kann. In Deutschland nähert sich dieser Anteil in der Altersgruppe der 45- bis 55-Jährigen 28 Prozent und liegt damit etwa sieben Prozentpunkte über dem europäischen Durchschnitt derselben Altersgruppe.

Auch in der Branche entstehen neue Produkte, die diesem Trend Rechnung tragen. Während die „Go with the Flow“-Touren von Meiers Weltreisen eine organisierte Reise mit individueller Bewegungsfreiheit verbinden, konzentriert sich das „Slow Glamour“-Konzept der ananea Hotels auf ein bewussteres und ruhigeres Urlaubserlebnis.

Jeder zweite Europäer möchte im Urlaub von der digitalen Welt abschalten

Der Wunsch nach Entschleunigung spiegelt sich auch im Umgang mit Smartphones und sozialen Medien wider. 48,9 Prozent der Europäer sehen den Urlaub als Gelegenheit, sich vollständig oder weitgehend von sozialen Medien und digitalen Ablenkungen zu lösen.

Dieser Trend ist besonders stark in der Generation der Millennials. Mehr als die Hälfte der 25- bis 44-Jährigen in Europa sieht Reisen als Gelegenheit für eine digitale Auszeit. In Deutschland übersteigt dieser Anteil in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen 53 Prozent.

Debus sagte: "Reisen bietet vielen Menschen etwas, das im Alltag oft schwer zu finden ist: ungestörte Zeit. Sich für eine Weile von Bildschirmen, Terminen und Routinen zu lösen, gehört für viele inzwischen fest zum Urlaub dazu."

Rund 30 Prozent der Europäer stehen Solo-Reisen positiv gegenüber

Obwohl der Familienurlaub mit rund 66 Prozent die beliebteste Reiseform in Europa bleibt, gewinnen Solo-Reisen schnell an Bedeutung. Rund 30 Prozent der Befragten geben an, dass es wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich ist, dass sie in den nächsten 12 Monaten alleine reisen werden.

Unter Singles nähert sich dieser Anteil 38 Prozent, während etwa ein Viertel derjenigen mit einer festen Beziehung ebenfalls einen Solo-Urlaub in Betracht zieht. Damit entfernt sich die Solo-Reise davon, eine auf Alleinlebende oder Singles beschränkte Urlaubsform zu sein.

Deutschland führend bei Solo-Reisen in Europa

Das größte Interesse an Solo-Reisen zeigt sich in Deutschland mit über 36 Prozent. Es folgen Schweden mit 35 Prozent, Frankreich mit 32,2 Prozent, das Vereinigte Königreich mit 29,8 Prozent und Polen mit 28,9 Prozent.

Debus erklärte: "Solo-Reisen etablieren sich zunehmend als fester Bestandteil der europäischen Reiselandschaft. Besonders interessant ist dabei, dass dieser Trend Menschen unterschiedlicher Generationen, Lebensstile und Reisevorlieben verbindet. Für viele bedeutet Alleinreisen vor allem Freiheit, Flexibilität und die Möglichkeit, den Urlaub nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten."

Solo-Gäste wünschen sich echte Einzelzimmer

Das wachsende Interesse an Solo-Reisen verändert auch die Erwartungen an Hotels und Reiseveranstalter. Mehr als 38 Prozent der Europäer, die in den nächsten 12 Monaten alleine reisen möchten, wünschen sich echte Einzelzimmeroptionen ohne Aufpreis.

Rund 28 Prozent der Befragten legen Wert auf Optionen, die es ihnen ermöglichen, mit Personen ähnlicher Interessen zu reisen, während über 22 Prozent Gelegenheiten suchen, andere Solo-Gäste kennenzulernen. Rund 27 Prozent erwarten personalisierte Angebote und sorgfältig ausgearbeitete Erlebnisse.

Sicherheit gehört ebenfalls zu den wichtigen Kriterien. Mehr als 25 Prozent der Solo-Reise-Interessierten wünschen sich eine feste Kontaktperson für Notfälle, während rund 22 Prozent Wert auf zusätzliche Sicherheitsdienste legen.

Reiseveranstalter erweitern Solo-Reiseangebote

Die Reiseveranstalter innerhalb der DERTOUR Group reagieren auf die steigende Nachfrage mit speziellen Solo-Reisen, reduzierten Einzelzimmerzuschlägen und Optionen, die das Teilen von Doppelzimmern ermöglichen. Auch bei einigen Kreuzfahrten werden spezielle Produkte für Alleinreisende angeboten.

Sven Schikarsky, Produkt-Geschäftsführer DERTOUR Deutschland, sagte: "Gemeinsame Mahlzeiten, interaktive Programmpunkte und kleine Reisegruppen fördern den Austausch mit anderen Teilnehmenden und schaffen zugleich Raum für besondere Erlebnisse, die lange in Erinnerung bleiben."

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass im europäischen Reisemarkt immer persönlichere und bedeutungsvollere Erlebnisse an die Stelle von mehr Erlebnissen treten. Obwohl Slow Travel, digitale Auszeiten und Solo-Reisen als unterschiedliche Trends hervorstechen, ist ihr gemeinsamer Nenner, dass das Tempo und der Inhalt des Urlaubs von den individuellen Bedürfnissen des Reisenden bestimmt werden. Bild: © KI-generiertes Bild